Als Peter Endrulat zu trauriger Bekanntheit kam, war Michael Rütten (21) noch nicht geboren. Am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 1977/78 verlor Borussia Dortmund mit Endrulat im Tor gegen Borussia Mönchengladbach mit 0:12.
Dies war die bisher höchste Niederlage einer Bundesligamannschaft. Endrulat ist damit der Bundesligatorwart, der die meisten Gegentore in einem Spiel einstecken musste. Immerhin kennt Rütten als Dortmund-Fan das Ergebnis und versteht den Hinweis gleich richtig. Er ist in der Rückrunde der Fußball-Bezirksliga Staffel 15 quasi der Peter Endrulat der Spvgg. Erkenschwick II.
Das Team war bereits ein Problemfall, als die Saison los ging. Als alle Trainer zum Stichtag ihre Zu- und Abgänge vermeldeten, hatte Olaf Neisen wenig zu sagen, weil er nur wenige Zusagen überhaupt hatte. Er war als Trainer ausgeguckt, der aus dem Nichts eine Bezirksliga taugliche Mannschaft präsentieren sollte. Ein Ding der Unmöglichkeit. Auch wenn die zweite Erkenschwicker Mannschaft in der Hinrunde zumindest gelegentlich noch Ergebnisse lieferte. Als sich Rütten entschloss nach Erkenschwick zu wechseln, da glaubte er daran, dass er sich über die zweite Mannschaft vielleicht für das Westfalenliga-Team würde anbieten können. Das er nicht zu einem Spitzenteam wechseln würde, war ihm klar. Dass es dann so heftig werden würde nicht.
Die Mannschaft, für die ohnehin schon kaum genug Spieler da waren, fiel mehr und mehr auseinander. Keine Ergebnisse, keine gute Stimmung. In der Winterpause verabschiedeten sich gleich mehrere Akteure und irgendwann im Verlauf der Rückrunde auch Neisen, der es leid war, Woche für Woche auf Spielersuche gehen zu müssen, um dann am Spieltag deutlich und deutlicher zu verlieren. Im Spiel bei der DJK Nette wurde es sogar zweistellig. „Das habe ich auch noch nie erlebt“, sagt Rütten, der danach seine Nehmerqualitäten beim 1:9 gegen den VfB Waltrop und dem 0:8 gegen Eintracht Datteln unter Beweis stellen durfte. Gerade Rütten hätte ausreichend Gründe, um zu sagen: „Nicht mehr mit mir.“
Stattdessen versucht er weiter seinen Kasten sauber und den Laden, der zweite Mannschaft der Spvgg. Erkenschwick heißt, zusammenzuhalten. Er bot sogar an, das Training zu leiten. „Das wäre kein Problem gewesen. Schließlich bin ich bei Erkenschwick auch Jugendtrainer.“ Es war nicht nötig. Keine Spieler, kein Training. „Es geht nur noch darum, zu Ende zu spielen“, sagt Rütten. „Irgendwie.“
 
von  Markus Rensinghoff / WAZ, Vest
 
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